Rezension: Mein Leben als lexikalische Lücke

von Mai 29, 2021

Lexikalische Lücke

Titel: Mein Leben als lexikalische Lücke

AutorIn: Kyra Groh

Format: Hardcover

ISBN: 9783038800446

Seiten

Bewertung:

Süßes-Popcorn-Softie und Tagträumerin

Zum Inhalt:

Benni macht ein Praktikum im Frankfurter Krankenhaus und hat Angst, dass er es nie schaffen wird: Blut abzunehmen, vom nerdigen Benni zum coolen Ben zu werden, den allgegenwärtigen Kruzifixen in der beengten Wohnung seiner Mutter zu entkommen. Eingeengt fühlt sich auch Jule, und zwar von dem Weltbild ihrer Eltern. Denn die haben absolut kein Verständnis für vegane Ernährung, Freitagsdemonstrationen oder Anti-Rassismus-Plakate. Und sie würden schon gar nicht verstehen, dass ihre Tochter eigene Ideale vertritt und Teil einer Veränderung sein möchte, die die Welt so dringend braucht. Als die beiden innerlich zerrissenen Teenager aufeinandertreffen, wird ihr Leben bunter, komplizierter, aber auch so viel erträglicher!

(Ich weiß, normalerweise benutze ich nicht die Inhaltsangabe die überall zu finden ist, doch in diesem Fall ist sie besser, als alles was ich formulieren könnte.)

Mein Eindruck:

Mein Leben als lexikalische Lücke habe ich im Rahmen einer Leserunde von Lovelybooks gewonnen. Ich wollte es so oder so lesen, weswegen ich mich sehr über den Gewinn gefreut habe.

Es ist schwer in Worte zu fassen, wie sehr mir dieses Buch gefallen hat, doch ich werde es versuchen.

Kyra Groh hat einen einzigartigen Schreibstil, der von Humor und Intelligenz geprägt ist. Er lässt sich, trotz der gewählten Ausdrucksweise, zügig lesen und erschwert es, den Lesefluss unterbrechen zu wollen. Teilweise habe ich mich gezwungen langsamer zu lesen und Pausen zu machen, weil ich sonst das Gefühl hatte, etwas übersehen oder verpasst zu haben. Zudem hat Kyra Groh kreative Details in das Buch eingebaut, wie beispielsweise besondere Wörter aus anderen Sprachen, sowie deren Bedeutung.

Die Handlung wird im Wechsel  aus den Perspektiven der Hauptprotagonisten, Ben und Jule, erzählt. Beide fühlen sich, als würden sie nirgendwo wirklich dazu gehören und haben Bedenken sie selbst zu sein.

Das Buch thematisiert familiäre und freundschaftliche Auseinandersetzungen, den Glauben, die berufliche Orientierung, Wege um seine eigenen Interessen zu vertreten, Rassismus und Intoleranz, Veganismus und weitere bedeutende Themen.  Kyra Groh schafft somit ein authentisches Ambiente, in dem man sich mit den Protagonisten identifizieren kann.

Mein Leben als lexikalische Lücke ist ehrlich, zeitgemäß, intelligent, tiefgründig (teilweise philosophisch), bewegend, anregend und definitiv nicht nur für eine junge Leserschaft geschrieben. Ein großartiges Buch, das mehr Leser verdient hat.

 

(Das Buch ist so bedeutend, dass ich manchmal das Gefühl hatte, nicht würdig zu sein es lesen zu dürfen.)

 

{

Menschen, die nicht begreifen wollen (…),

dass sich in der Welt etwas verändern muss und

dass Wahrheiten nicht weniger wahr sind,

wenn sie aus den Mündern von Teenagern kommen.

– Jule