Rezension: Das Mädchen in unserem Badezimmer

von Nov 9, 2022

Sokrates in Sneakern

Titel: Das Mädchen in unserem Badezimmer

AutorIn: Henrik Hitzbleck, Kerstin Wacker

Format: gebundene Ausgabe

ISBN: ‎ 9783000717765

Seiten

Bewertung:

Kalter Asphalt und gebrochene Versprechen

 

Zum Inhalt:

Amra und ihre Mutter gehen häufiger in einem Park nahe ihrer Wohnung zusammen joggen. Dort treffen sie auf ein junges Mädchen – Coco, welches offensichtlich auf der Straße lebt. Ohne groß nachzudenken, bietet Amras Mutter diesem an, bei ihnen zu duschen. Doch als Coco kurz danach spurlos verschwindet und nur ihr Tagebuch zurück bleibt, findet sich Amra schnell in einer abenteuerlichen Suchaktion wieder.

Mein Eindruck:

Mein Interesse für dieses Buch wurde durch die Frage geweckt, ob ich Obdachlose bei mir duschen lassen würde. Diese Frage hatte ich mir zuvor nie gestellt, sie hat mich auch noch eine ganze Weile beschäftigt und ich habe bis jetzt keine endgültige Antwort. Das Buch wollte ich danach unbedingt lesen.

Berlin machte, als Handlungsort, die Geschichte greifbarer als eine Story, die in einem anderen Land spielt. In jeder Szene wurde die Umgebung detailreich beschrieben und ließ somit Bilder vor meinem inneren Auge entstehen.

Auch Coco war sehr charakteristisch mit ihren roten Haaren. Ihr fühlte ich mich am meisten zugetan, weil ich sie dank der Tagebucheinträge genau kennen lernen durfte. Der Sprachstil ihrer Einträge und auch der optische Gestaltungsunterschied gefielen mir sehr. Als Leserin erfuhr ich stückweise, wie es Coco ergangen und warum sie obdachlos ist, wie sie damit umgeht und was sie sonst noch beschäftigt. Diese Darstellungsart, empfand ich als äußerst kreativ und erfrischend.

Außerdem gaben die Illustrationen nicht zu viel vor. Das bedeutet, dass sie zwar zur bildlichen Veranschaulichung dienten, aber abstrakt genug blieben, um den Einfluss der eigenen Fantasie zuzulassen. Generell ließ sich das Buch sehr gut lesen und ich fand schnell in das Geschehen.

Durch Amras Suche wurde man als Leser, spielend über das Thema Obdachlosigkeit und Dienstleistungen in diesem Bereich aufgeklärt, was ich extrem interessant fand. Zusätzlich wurde Spannung aufgebaut, da man immer nur so viel wusste, wie Amra und ihre Freundin Louise.

Ein weiterer Aspekt, der mir wirklich gefallen hat, war der Unterschied zwischen Coco und Amra und die Entwicklung letzterer. Im Buch wurde nichts beschönigt, es blieb hart und ehrlich.

Vermutlich hat Cocos Geschichte nicht nur Amra etwas bodenständiger, reflektierter und dankbarer werden lassen. Ich habe so vieles aus diesem Buch mitnehmen dürfen und kann es wärmstens empfehlen.

Trotz der Jugendbuch Kategorie, eignet es sich auch für eine ältere Leserschaft, da spielerisch faktisches Wissen vermittelt wird und es sich somit nicht nur um eine fiktive Geschichte handelt. Meiner Meinung nach, sollte das Buch viel mehr Aufmerksamkeit bekommen und auch in Schulen angeworben werden.

 

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Mit dem Helfen ist das so eine Sache.

Es muss einen geben,

der helfen will,

aber es muss auch einen geben,

der bereit ist, die Hilfe anzunehmen.

– Das Mädchen in unserem Badezimmer