Rezension: Sister Sister

Titel: Sister Sister
AutorIn: Emily Austin
Format: Paperback
ISBN: 9783759600578
Seiten
Bewertung:
Ratten auf dem Jahrmarkt
Zum Inhalt:
In ihrer Kindheit stellten sich die Schwestern Sigrid und Margit gemeinsam der Kälte ihres Elternhauses. Als jedoch Sigrid jedoch ihren Abschluss nicht schaffte und mit ihrer besten Freundin auf der Suche nach einem Zugehörigkeitsgefühl durch die Kleinstadt zog und Margit für das College die Stadt verlässt, änderte sich die Beziehung der Schwestern. Während Margit Ordnung und Kontrolle bevorzugt, weiß Sigrid nicht, wo sie hingehört, und hat das Gefühl, dass sie einander nicht mehr verstehen. Erst ein tragisches Ereignis bringt die beiden dazu, sich der Wirklichkeit und der Frage, wer sie eigentlich sind, zu stellen und sich wieder anzunähern.
Mein Eindruck:
Ich durfte dieses Buch im Rahmen einer Premierenlesung lesen und wusste nicht genau, was mich erwarten würde. Als ich das Buch aufschlug und die Triggerwarnung las, befürchtete ich, dass es ein trauriges Buch werden würde – doch ich lag falsch.
„Sister Sister” ist in drei größere Bereiche gegliedert, was mir wirklich gut gefallen hat, da dadurch mehrere Perspektiven auf das Leben von Margit und Sigrid geboten werden. Im gesamten Buch finden sich kurze Tagebucheinträge oder Briefe, in denen sich die beiden Schwestern mit unterschiedlichen Erlebnissen oder Gedanken auseinandersetzen. Der Schreibstil ließ sich gut lesen und durch die kurzen Abschnitte hatte ich den Eindruck, schnell voranzukommen. An manchen Stellen bin ich über etwas bizarre Analogien gestolpert, die mich jedoch nicht wirklich gestört haben.
Sigrid und Margit haben keine optimale Schwesternbeziehung und sind unter weniger erfreulichen Bedingungen aufgewachsen. Mit dieser Geschichte hat Emily Austin aufgezeigt, in welche Richtung sich Kinder entwickeln können, die in einem von Gewalt und Streit geprägten Haushalt aufwachsen, und sie hat die Vor- und Nachteile des Kleinstadtlebens beleuchtet.
Sigrid und Margit sind beide spannende und komplexe Charaktere, denen ich gerne zugehört habe. Sie sind sich ähnlicher, als ich erwartet hatte. Kurz dachte ich sogar, dass sie ein und dieselbe Person wären, doch dem war nicht so. Was den eigentlichen Wendepunkt der Handlung anbelangt, so habe ich ihn nicht kommen sehen und mich sehr darüber gefreut. Emily Austin hat eine äußerst runde Geschichte geschrieben, in der einige Elemente regelmäßig auftreten oder sich auf bestimmte Ereignisse mehrmals bezogen wird, ohne repetitiv zu sein.
Ich bin nur wenige Jahre älter als die Schwestern und finde, dass man sich als junge Erwachsene in manchen Sorgen und Problemen gut verstanden fühlt. Es hatte zum Teil auch eine melancholische Wirkung auf mich, wenn es um die Kindheit ging. Mir haben die philosophischen Passagen gut gefallen, die Austin in die Geschichte eingebaut hat. Obwohl es nur kurz war, fand ich es gut, dass sie wichtige und ernsthafte Themen, wie Psychotherapie in ihr doch recht verspieltes Buch eingebunden hat.
„Sister Sister” hat mich positiv überrascht. Es ist intelligent, humorvoll und reflektiert das Erwachsenwerden mit all seinen Höhen und Tiefen. Ich kann es wärmstens empfehlen – zumindest für diejenigen, für die die Triggerwarnung kein Problem darstellt.